Eingefärbte Klarlacke

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Dirk Sauer, Technischer Manager bei Axalta

Auf Lackierungen mit eingefärbten Klarlacken setzen mittlerweile alle Automobilhersteller. Bei der Reparatur stellt dies eine besondere Herausforderung für den Lackierer dar. Dirk Sauer, Technischer Manager bei Axalta, im Gespräch über einen anhaltenden Trend.

Herr Sauer, mit dem farbgebenden Basislack und dem glanz- und schutzgebenden Klarlack sind doch eigentlich die Komponenten für das optisch perfekte Lackergebnis gegeben. Wofür braucht es da eingefärbte Klarlacke?

Dirk Sauer: Die Automobilhersteller nehmen den Faktor Farbe seit einigen Jahren intensiver in den Blick. Die Karosserieformen werden sich ähnlicher, daher gerät die Lackierung zu einem immer wichtigeren Unterscheidungsmerkmal. Und hier kommt der eingefärbte Klarlack ins Spiel. Mit diesem lässt sich eine Intensität, Brillanz und Tiefe erzielen, die Sie mit Basislack und transparentem Klarlack niemals erreichen können.

Wie wird dieser Effekt erzielt?

Dirk Sauer: Ein normaler Klarlack sorgt für Glanz und Schutz des darunterliegenden farbigen Basislacks. Ein eingefärbter Klarlack sorgt zusätzlich dank seiner farbgebenden Pigmente dafür, dass der Farbton des Basislacks intensiviert, aber nicht überdeckt wird. Es entsteht der Eindruck einer leichten Dreidimensionalität und größerer Tiefe des Lackes.

Wie hoch ist der Anteil von eingefärbten Klarlacken in der Automobilserie?

Dirk Sauer: Mit unseren speziellen Klarlack Additiven von Spies Hecker bieten wir immer die passende Lösung. Diese Additive sind in rund 1.000 Farbtönen enthalten. Bei der Farbtonfindung kann sich der Lackierer auf unser digitales Farbtonmessgerät ColorDialog Phoenix und unsere Farbtonsoftware verlassen.

Gibt es im Lackierprozess deutliche Unterschiede?

Dirk Sauer: Definitiv. Für unseren Kunden stellt sich die Lackierung eines Fahrzeugs mit eingefärbtem Klarlack als besondere Aufgabe dar, weil er nicht nur den korrekten Farbton, sondern auch die Brillanz mit Hinblick auf die erforderliche Tiefenwirkung des Klarlacks erzielen muss. Nur der Lackierfachmann kann aufgrund von erstellten Farbmusterkarten im direkten Vergleich zum Fahrzeug über den Umfang der Reparatur entscheiden. Ebenso urteilt er über die Notwendigkeit der Einlackierung in angrenzende Bereiche bzw. Bauteile. Damit stellt er sicher, dass eine Zweitlackierung und damit ein erhöhter Kostenaufwand von vorneherein schon ausgeschlossen werden.

Sie empfehlen zudem grundsätzlich eine Finalisierung mit transparentem Klarlack?

Dirk Sauer: Ja. Dies ist im Sinne einer hohen Prozesssicherheit. Die abschließende Schicht der transparenten Klarlackapplikation gewährleistet nicht nur die UV-Stabilität des eingefärbten Klarlackes und eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber aggressiven Umwelteinflüssen, sondern garantiert zugleich eine einwandfreie Lackoberfläche und Qualität, die den Anforderungen einer fachgerechten Reparaturlackierung entspricht.

Eingefärbte Klarlacke sind also eine besondere Herausforderung für den Lackierer?

Dirk Sauer: Zumindest muss er die einzelnen Arbeitsschritte und den Zeiteinsatz ein wenig anders planen. Belohnung ist aber ein besonders brillantes Farbergebnis. Bei technischen Fragen helfen übrigens die Experten an unserer Spies Hecker Technikhotline unseren Kunden gerne weiter.

Ihre Einschätzung: sind eingefärbte Klarlacke eher eine Eintagsfliege oder ein bleibender Trend?

Dirk Sauer: Mit Sicherheit ein bleibender Trend, dem mittlerweile alle Automarken folgen.

Bild: Spies Hecker

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